Warum kosten Hörgeräte so viel?

Was hinter dem Preis eines modernen Hörsystems steckt

Wer zum ersten Mal den Preis eines hochwertigen Hörsystems hört, ist manchmal überrascht. CHF 2'500.– oder CHF 3'800.– für ein einziges Hörgerät – obwohl das Gerät kaum grösser als ein Finger ist?

Diese Frage hören wir in unserer täglichen Beratung immer wieder. Sie ist verständlich. Denn von aussen sieht man zunächst nur ein kleines elektronisches Gerät.

Doch die Grösse sagt wenig darüber aus, was in einem modernen Hörsystem steckt – und ein Hörgerät allein macht noch keine gute Hörversorgung aus.

Modernes Hörgerät mit Titan-Otoplastik und Übersicht der Leistungen hinter einer professionellen Hörgeräteversorgung.

Hightech auf kleinstem Raum

Moderne Hörsysteme sind leistungsfähige Miniaturcomputer. Sie nehmen die akustische Umgebung über mehrere Mikrofone auf und verarbeiten die Signale praktisch in Echtzeit.

Je nach Hörsystem und Technologiestufe können sie beispielsweise Sprache erkennen und hervorheben, unterschiedliche Hörsituationen analysieren, Störgeräusche reduzieren und ihre Signalverarbeitung automatisch an die jeweilige Umgebung anpassen.

Aktuelle Systeme arbeiten dabei zunehmend mit Verfahren aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz.

Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Hörgerät einfach entscheiden kann: «Dieses Geräusch möchte ich hören, alle anderen bitte ausblenden.»

Gerade diese Vorstellung wird durch manche Werbung vermittelt – und führt zu Erwartungen, die selbst modernste Hörsysteme nicht immer erfüllen können.

Warum kann ein teureres Hörsystem mehr kosten?

Bei Hörsystemen bezahlt man nicht einfach das Gehäuse, den Chip, den Akku und den Lautsprecher.

Hinter der Technik stehen Forschung und Entwicklung, komplexe Signalverarbeitung, Software, Miniaturisierung, Qualitätskontrollen und die Anforderungen an ein Medizinprodukt.

Auch innerhalb einer Hörgerätefamilie gibt es unterschiedliche Technologiestufen. Höhere Stufen verfügen je nach Hersteller beispielsweise über umfangreichere Möglichkeiten zur Verarbeitung komplexer Hörsituationen oder zur automatischen Steuerung.

Das technisch teuerste Hörsystem ist deshalb aber nicht automatisch für jeden Menschen das beste.

Das Gehör bleibt entscheidend

Das ist einer der wichtigsten Punkte, wenn wir über moderne Hörtechnik sprechen.

Ein Hörsystem kann Schall aufbereiten und Sprache besser zugänglich machen. Es kann ein geschädigtes Gehör jedoch nicht wieder in ein gesundes Gehör verwandeln.

Wie viel Verbesserung erreicht werden kann, hängt deshalb auch vom individuellen Hörverlust und davon ab, wie gut Sprache noch verarbeitet werden kann.

Gerade wenn eine Hörminderung schon lange besteht, braucht das Hören mit Hörsystemen häufig Zeit und Gewöhnung.

Deshalb ist das Versprechen, mit einem bestimmten Hörgerät wieder überall «glasklar» zu verstehen, aus unserer Sicht zu einfach.

Ein Hörgerät muss individuell angepasst werden

Zwei Menschen können einen ähnlichen Hörverlust haben und trotzdem mit demselben Hörsystem ganz unterschiedliche Erfahrungen machen.

Deshalb beginnt eine gute Hörgeräteversorgung bei uns mit der Hörmessung und einem ausführlichen Gespräch:

Wo bestehen Schwierigkeiten? Beim Fernsehen? In Gesprächen mit mehreren Personen? Im Restaurant? Bei Sitzungen? Im Auto? Beim Telefonieren?

Auf dieser Grundlage wählen wir geeignete Hörsysteme aus und programmieren sie auf das individuelle Hörvermögen.

Danach beginnt ein Prozess aus Tragen, Erleben, Rückmelden und Nachjustieren.

Warum wir verschiedene Hörsysteme vergleichen

Nicht jedes Hörsystem funktioniert für jedes Gehör und jeden Menschen gleich gut.

Deshalb kann es sinnvoll sein, unterschiedliche Systeme oder Einstellungen im eigenen Alltag zu testen.

Denn entscheidend ist nicht, welches Gerät auf dem Papier die längste Liste an Funktionen besitzt. Entscheidend ist, mit welchem System eine Person in ihren persönlichen Hörsituationen möglichst gut zurechtkommt.

Diese Erkenntnis bekommt man nicht aus einer technischen Vergleichstabelle im Internet.

Man muss hören.

Was bezahlt man beim Hörgeräteakustiker?

Auch hier entsteht leicht ein Missverständnis.

Der Preis einer Hörversorgung besteht nicht einfach aus dem Einkaufspreis eines Hörgerätes plus einer Marge.

Je nach Angebot und Versorgung kommen fachliche Leistungen hinzu: Hörmessungen, Beratung, Auswahl der Hörsysteme, Programmierung, Anpassungen und Feineinstellungen, Kontrollen während der Eingewöhnung sowie spätere Serviceleistungen.

Bei uns können je nach gewähltem Angebot weitere Leistungen und eine Garantieverlängerung hinzukommen.

Ein Teil dieser Arbeit findet statt, bevor überhaupt feststeht, welches Hörsystem am Ende gekauft wird.

Ein Hörsystem ist kein Fernseher

Hörgeräte werden heute im Internet häufig ähnlich verglichen wie Fernseher, Smartphones oder Stereoanlagen.

Modell A kostet dort weniger als Modell B. Also liegt die Frage nahe: Warum sollte ich für dasselbe Gerät an einem anderen Ort mehr bezahlen?

Bei einem Hörsystem greift dieser Vergleich zu kurz.

Ein Fernseher funktioniert nach dem Auspacken grundsätzlich unabhängig davon, wer davor sitzt.

Ein Hörsystem muss dagegen zu einem individuellen Hörverlust passen, entsprechend programmiert und anschliessend im Alltag optimiert werden.

Das Gerät ist die technische Grundlage. Was daraus für den einzelnen Menschen wird, entscheidet sich erst durch Auswahl, Anpassung, Gewöhnung und Begleitung.

Und was ist mit künstlicher Intelligenz?

KI und moderne Signalverarbeitung haben Hörsysteme in den vergangenen Jahren deutlich weitergebracht. Besonders in anspruchsvollen Hörsituationen stehen heute Möglichkeiten zur Verfügung, die frühere Hörgerätegenerationen nicht hatten.

Das finden auch wir als Hörgeräteakustikerinnen und Hörgeräteakustiker faszinierend.

Trotzdem gibt es biologische Grenzen.

KI kann die vorhandenen akustischen Informationen analysieren und aufbereiten. Sie kann aber kein gesundes Innenohr erzeugen und keine bereits eingeschränkte Hörverarbeitung vollständig rückgängig machen.

Deshalb gehört für uns zu moderner Hörgeräteakustik auch, offen darüber zu sprechen, was technisch möglich ist – und was nicht.

Warum frühzeitiges Handeln wichtig ist

Viele Menschen warten lange, bevor sie ihre Hörminderung abklären lassen.

Oft bemerkt das Umfeld die Schwierigkeiten zuerst: Der Fernseher wird lauter, Gespräche in Gesellschaft werden anstrengender oder bestimmte Wörter werden häufiger falsch verstanden.

Je länger eine Hörminderung besteht, desto mehr kann sich der Mensch an ein verändertes Klangbild gewöhnen.

Deshalb lohnt es sich, das Gehör frühzeitig überprüfen zu lassen – auch dann, wenn noch nicht sicher ist, ob überhaupt Hörsysteme benötigt werden.

Zurück
Zurück

Eine Brille für alles? Oft ist eine zweite oder dritte die bessere Lösung.

Weiter
Weiter

Sommer-Aktion: 15 % Rabatt auf Sonnenbrillen